Laputa Castle in the Sky: Das Schloss im Himmel (1986)

offizielles FilmposterHeute Mittag war ich nun endlich (Wochen nach dem offiziellen deutschen Filmstart) im Aachener Eden-Palast in "Laputa Castle in the Sky" oder wie er hier in Deutschland schlicht heißt "Das Schloss im Himmel".

Eigentlich hatte ich nicht mehr daran geglaubt, den Anime in einem Aachener Kino sehen zu können sondern dafür nach Köln fahren zu müssen. Vor wenigen Tagen teilte mir aber ein Freund mit, dass Laputa nun doch auch hier, im Aachen im Eden-Palast, gezeigt wird, nachdem der im Cinekarree entgegen der Ankündigung gar nicht angelaufen war. Sicher war, daß ich in Laputa noch dieses Wochenende gehen wollte. Der Eden-Palast zeigt den Anime nur in der Kindervorstellung, was mir eigentlich ein totaler Graus ist, aber zum Glück war die Vorstellung nur von ein paar Erwachsenen besucht, so dass meine Sorgen unbegründet waren, Horden kreischender Kinder ertragen zu müßen.

Das erneute Ansehen des Trailers auf der offziellen Filmseite machte mich, wie auch damals der Trailer von Das wandelnde Schloss, nur noch ungeduldiger, und lies mich wirklich freudig auf den Film hoffen, schließlich weiß ich, daß die Filme der Ghibli Studios bisher immer alle Meisterwerke waren.

Meine Erwartungen an Laputa, das 20 Jahre alte Meisterwerk aus den Ghibli- Studios waren hoch und wurden wirklich vollkommen erfüllt. In so meisterlichen Bildern nimmt uns Miyazaki auf die Reise nach Laputa mit, daß es, wie auch schon bei Nausicaä aus dem Tal der Winde, Kikis kleiner Lieferservice und Das wandelnde Schloss egal ist, daß die physikalischen Gesetze anscheinend außer Kraft gesetzt werden, wenn es um die skurilen Fluggeräte geht, die Miyazaki in seinen Filmen verwendet und die alle Leonardo da Vincis Flugideen erkennen lassen. Abgesehen davon, daß viele dieser Fluggeräte niemals auch nur vom Boden abheben würden, wären sie auch schneller wieder am Boden als den Passagieren lieb wäre. Dazu kommt noch die unglaubliche Tatsache, das es sowohl auf den Luftschiffen als auch bei den anderen Fluggeräten bei vielen der Ghibli-Filme anscheinend ziemlich windstill sein muss, so ruhig wie sich die Personen auf ihnen bewegen können, statt weggeweht zu werden. Aber gerade deswegen sind auch sämtliche Fluggeräte so genial, denn sie vervollkommenen einfach das Bild einer Zeit in der der jeweilige Anime spielen soll. Denn wenn ich akzeptiere, dass solche Fluggeräte fliegen können, akzeptiere ich auch, daß Roboter auf viel zu dünnen langen Beinen laufen können, die schon unter dem Gewicht des Rumpfes ständig einknicken müßten.

Auch wenn Laputa viel älter ist als Nausicaä, so habe ich nun Mal Nausicäa zuerst kennen gelernt. Und deswegen erinnerten mich viele Szenen von Laputa einfach an Nausicäa. Sowohl die Art der Kampfszenen in der Luft als auch die am Boden kannte ich schon von Nausicäa, d.h. Miyazaki hat die bei Nausicaä von Laputa übernommen. Frapierend war für mich die Ähnlichkeit der Roboter in Laputa mit dem Titanen bei Nausicäa. Die Roboter und der Titan sind Kampfmaschinen. Beide sind in der Lage zu Fliegen, nur daß bei Laputa die Roboter an ihren Armen Flügel künstlich enstehen lassen können, indem sie zwischen den Dornen Häute ähnlich Fledermäuse aufspannen, und bei Nausicaä der Titan als lebendes Wesen die Flügel aus seinen Schultern wachsen lässt, diese allerdings nur als eine Art Schirm für die radioaktive Strahlung verwendet, mit der er in der Lage ist zu Fliegen, die ihn aber im Gegenzug fast vernichtet, weil sie ihm unglaubliche Kraft kostet. Da wären wir auch schon bei einer weiteren Gemeinsamkeit der Roboter und des Titans: beide besitzen eine unglaubliche Feuerkraft, die sie aus ihren Augen abfeuern. Während bei Laputa die Roboter irgendwann von feindlichen Kugeln, etc. getroffen vernichtet werden, so ist es bei Nausicäa die unglaubliche Radioaktivät die der Titan ausstrahlt, die ihn selbst zerstört, ihn sich auflösen läßt, bis er schließlich nur noch ein Klumpen Fleisch ist. Miyazaki zeigt so sowohl beim Titanen als auch bei den Robotern den Wahnsinn der Krieges auf drastische Art und Weise. Der Titan leidet bei dem Kampf große Schmerzen auch wenn er eine Art Freude am Töten findet, beim Manga kommt das viel besser raus als in dem kurzen Anime. Die Roboter bei Laputa werden durch den heiligen Stein von Laputa wieder erweckt und zu willenlosen Kampfmaschinen. Während aber der Titan am Ende von Nausicaä tot ist, wird am Ende von Laputa ein friedfertiger Roboter auf Laputa gezeigt, der große Freude daran hat, den Tieren zu helfen. Eine weitere Gemeinsamkeit beider Animes ist, daß eine Heldin wider Willen eine Welt retten muß, allerdings war ich darüber enttäuscht, daß Laputa nur durch Zerstörung gerettet werden konnte. Denn auch wenn sich diesmal der bösen Widerparts überraschend ebenfalls als Nachkomme Laputas entpuppte, so blieb doch das große Geheimnis was mit den Einwohnern Laputas wirklich geschehen war ungelöst. Wiederum eine Gemeinsamkeit ist, daß bei Laputa und Nausicaä diese niedlichen Streifenhörnchen vorkommen. Während diese bei Laputa einfach nur herumtollende Einwohner Laputas sind, ist das Streifenhörnchen Nausicaäs Begleiter bis fast zum Ende ihrer Reise, bevor es im Manga an der Strahlung des Titanen stirbt, während es beim Anime bis zum Ende dabei ist. Am Ende von Laputa tollen die Streifenhörhnchen auf dem Roboter herum wie auch schon bei ihrem ersten Auftauchen.

Laputa die fliegende Stadt selbst, bzw. ihre Ruine wirkte einfach bombastisch. Ich war zwar darüber enttäuscht wie kurz das Innere der Stadt gezeigt wurde. Zwar wurden ein paar Korridore gezeigt, die von der Armee beim Plündern gestürmt wurden aber gerne hätte ich mehr von den überfluteten Teilen gesehen, oder von der grandiosen Technik im Inneren der Stadt die durch den heiligen Stein aktiviert wurde. Aber leider nur immer soviel wie nötig. Der Konstrast des äußeren und des inneren Erscheinungsbilds war wirklich beeindruckend und wurde eigentlich nur noch durch den Kontrast der Piratenbande mit den Militärs übertroffen.

Die Idee mit dem "Flugstein" finde ich toll, gibt sie dem Anime auch noch etwas Mystisches, erklärte der riesige Kristall im Kern von Laputa woher die ganze Energie kam. Hier mußte ich unweigerlich an den Disneyfilm "Atlantis" denken, bei dem Disney anscheinend von Laputa geklaut haben, denn bei beiden Filmen ist der Kern ein Kristall der die Energie liefert und auch zerstörische Kräfte besitzt. Nur daß mich Laputa weit mehr begeistert hat als "Atlantis", einfach weil die Story weniger platt rüber kommt, aber vorallem einfach weil die zeichnerische Qualität der Ghibli-Studios bei Weitem höher als die der Disney-Studios ist. Laputa ist 20 Jahre alt und veranschaulicht ohne CGIs wie genial ein Zeichentrickfilm gemacht werden kann. Erst bei Prinzessin Mononoke verwendeten die Ghibli-Studios zum ersten Mal CGIs in ihren Filmen und schufen so ein noch genialeres Meisterwerk. Bei allen nachfolgenden Filmen wie Chihiros Reise ins Zauberland und Das wandelnde Schloss verwendeten die Ghibli-Studios CGIs in einer perfekte Mischung mit ihrer bisherigen Zeichentechniken, ohne daß der Zauber ihrer Animes verloren geht.

Fazit: Luputa werde ich mir, wie auch all die anderen Ghibli-Animes, auf DVD sicherlich noch oft ansehen.

geschrieben von Stefan C. am 23.07.2006



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